Die Irren-Offensive Nr. 3
Zeitschrift von Ver-rückten gegen Psychiatrie
Nr. 14 (2009)
Nr. 13 (2006)
Nr. 12 (2004)
Nr. 11 (2003)
Nr. 10 (2002)
Nr. 9 (2000)
Nr. 8 (1999)
Nr. 7 (1998)
Nr. 6 (1996)
Nr. 5 (1993)
Nr. 4 (1991)
Nr. 2 (1983)
Nr. 1 (1981)
 

Die Irren-Offensive Nr. 3

Inhaltsverzeichnis:
PDF Dateien - mehrere Artikel gruppiert
Projekt Weglaufhaus

"Fortschrittliche Psychiatrie" für Anfänger
Grüne, Psychiatrie und Antipsychiatrie
Internationale Antipsychiatrische Grundsatzerklärung
Die Indianerkommune informiert
Gedicht: "Die Milben"

Behandlungsergebnis Selbsttod - Ein klassischer psychiatrischer Fall
Die letzte U-Bahn
Wer ist hier im Irrenhaus?
Märchen

Sollen Neuroleptika verboten werden? Teil I
Sollen Neuroleptika verboten werden? Teil II
Sollen Neuroleptika verboten werden? Teil III
Zu meiner Buchankündigung

Grabrede für Vera Kruse

Anstaltsverwahrung und Repression auf der Grundlage des § 63 StGb
Leserbriefe
Neuerscheinung: Thomas S. Szasz "Das Psychiatrische Testament"
Wie bestelle ich die Irren-Offensive?


Impressum
Herausgeber: Irren-Offensive e.V. - Gemeinnützige Autonome
Selbsthilfe-Organisation von Psychiatrie-Überlebenden
Redaktion: Irren-Offensive, Redaktionsgruppe
Satz: Gegensatz GmbH Berlin. Satzwerkstatt München
Druck: Contrast Druckerei GmbH Berlin
Layout: Irren-Offensive
Auflage: 5000
Titelbild: Tanya Temkin
V. i. S.d. P.: Tina Stöckle
ISSN 0932-917X
© Irren-Offensive e. V.

Eigentumsvorbehalt
Diese Zeitschrift ist solange unser Eigentum, bis sie dem in der Anschrift genannten Empfänger persönlich ausgehändigt ist. "Zurhabenahme" ist keine persönliche Aushändigung im Sinne dieses Vorbehalts. Wird die Zeitschrift dem Insassen einer Anstalt nicht persönlich ausgehändigt, ist sie dem Absender mit dem Grund der Nichtaushändigung zurückzusenden. Wird die Zeitschrift dem Insassen nur teilweise persönlich ausgehändigt, so sind die nicht ausgehändigten Teile dem Absender mit den Grund der Nichtaushändigung zurückzusenden.

Der Nachdruck von Artikeln und Abbildungen ist erlaubt, wenn die Quelle angegeben und der Irren-Offensive ein Belegexemplar zugesandt wird.
Gedruckt mit freundlicher finanzieller Unterstützung durch Netzwerk Selbsthilfe e.V.


Liebe Leserin, lieber Leser!

lieber Leser! Zwei Jahre vergingen, bis nach der Herausgabe von Heft 1 (1981) das folgende Heft 2 (1983) erschien. Nun sind es sogar vier Jahre geworden, bis endlich Heft 3 fertig wurde. Für den langen Zeitraum gibt es viele Gründe: Einige Mitglieder sitzen oder saßen an eigenen Buchprojekten. Ein Großteil der I-O-Mitglieder steckte seine Energie in den Aufbau des Kommunikationszentrums, das wir seit September 1983 in Berlin-Schöneberg betreiben. Außerdem wollen wir eine Zeitschrift nicht auf Befehl, in einem bestimmten Turnus herausbringen müssen, sondern nach Lust und Laune sowie dann, wenn eine Anzahl guter, wichtiger, tragender Artikel zusammengekommen ist. Und die lassen sich nun einmal nicht auf Bestellung und am Fließband anfertigen. Weiterhin ist die Unterstützung von ausgerasteten Menschen recht energieaufwendig und kraftraubend. Darüber hinaus: So eine Zeitschrift kostet viel Geld, und der Verkauf bringt regelmäßig nur einen Teil der Produktionskosten wieder herein.

Würden wir mehr Nummern als bisher herausgeben, so erginge es uns wohl nicht wesentlich anders als anderen Antipsychiatrie-Zeitschriften, wie zum Beispiel dem "Türspalt" oder der u.s.amerikanischen Zeitschrift "Madness Network News": wir würden Pleite gehen, oder den Mitarbeiter(inne)n die Puste aus. Dieses Schicksal wollen wir nicht produzieren oder erleiden. Dennoch: Unsere Kasse ist sehr knapp bemessen, und wir brauchen dringend Spenden sowie Hilfe beim Verkauf. Die Irren-Offensive ist ein gemeinnütziger Verein, und auf Wunsch stellen wir gerne steuerabzugsfähige Spendenbescheinigungen aus.

Eine besonders schöne Form der Unterstützung wäre, wenn Ihr, besonders im bundesdeutschen, schweizerischen und österreichischen Raum, in Buchhandlungen geht und fragt, ob diese sich nicht am Verkauf der "Irren-Offensive" beteiligen wollen. Auch gewerkschaftliche, demokratische, sozialistische, christliche, Friedens-, Umweltschutz-, Frauen-, Männer-, Altengruppen usw. usf., die Büchertische machen, kommen als mögliche Wiederverkäufer in Frage. Je schneller die Zeitschrift weggeht, desto eher sind wir in der Lage, eine neue Nummer zu produzieren.

Auch für Informationen aller Art sind wir dankbar: über neue psychiatrische Drogenexperimente, über die Entwicklung der Zustände in den Anstalten, über neue Formen gemeindepsychiatrischer Ausspitzelung, über neue Formen der Sklaverei ("beschützte Arbeitsstätten") - letztlich über alle Formen psychiatrischen Terrors.

Wir rufen alle auf, Mitarbeiter in psychiatrischen Anstalten, Psychiater, "Flegel", "Schwestern", Angehörige und insbesondere Euch Opfer psychiatrischer Gewalttätigkeit, offen oder heimlich daran mitzuwirken, daß die menschenunwürdige Psychiatrie zerschlagen und daß der Weg in den gemeindepsychiatrischen Überwachungsstaat gestoppt wird, daß Menschen nicht mehr wie (Schlacht-) Vieh gehalten, mit Nervengiften abgespritzt, mit elektrischem Strom gefoltert oder auf andere barbarische Weise ihrer Freiheit und Würde beraubt werden.

Da in letzter Zeit immer mehr Leute zu uns zur Beratung kommen, die (noch) einen Job im Psychiatrieapparat ausüben: Schickt uns Berichte über das, was Ihr erlebt, was Ihr an Verbrechen und menschenverachtendem Umgang mitbekommt; je nachdem drucken wir diese Berichte ab oder leiten sie an andere psychiatriekritische Zeitschriften weiter, auf Wunsch gerne anonym oder mit Pseudonym. Wir garantieren, daß wir die Berichte nur nach Rücksprache und Zustimmung verwenden.

An alle Betroffenen in der BRD, die nach einer ähnlichen Gruppe wie die Irren-Offensive fragen: Es gibt uns bisher nur in Westberlin, Ihr müßt eigene Gruppen selber gründen. Setzt Kleinanzeigen in Zeitungen oder Stadtmagazine, macht Aushänge, organisiert Eure Bekannten, die Ihr noch aus Anstaltszeiten kennt. Auch wir haben nur zu fünft, als "Patienten" -Club angefangen. Laßt keine Therapeuten oder ähnliche Leute in die Gruppe, seid besonders wachsam gegen Psychiatrie-Betroffene, die in Selbsthilfe-Organisationen selbst Therapeuten-Rollen übernehmen wollen. Sie sind relativ leicht daran zu erkennen, daß sie mit ihrem typischen "Du solltest ..." immer wieder anderen Gruppenmitgliedern Vorschriften machen wollen; daß sie keine grundsätzliche Kritik an "psychiatrischen Kliniken" und der dortigen Behandlung äußern; daß sie anderen Mitgliedern zu - und sei es auch "nur" - kurzfristiger Psychopharmaka-Einnahme ermuntern usw. usf.

Also, wir wären glücklich darüber, wenn auch noch in anderen Städten Selbsthilfe-Organisationen wie die Irren-Offensive entstehen würden.

Berlin-West, August 1987 Die Redaktionsgruppe der Irren-Offensive

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