Die Irren-Offensive - Nr. 9
Vorsorgevollmacht sprengt Zwangspsychiatrie

Öffentliche Erklärung

Vom 6. bis 11. August 1999 soll der 11. Weltkongreß der World Psychiatric Association in Hamburg stattfinden.

Wir, die Israeli Association Against Psychiatric Assault und der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (Deutschland), fordern gemeinsam, diesen Kongreß abzusagen:

  • Wir werden als angeblich psychisch Kranke durch eine biologistische Krankheitszuschreibung vor dem Hintergrund eines entwürdigenden Menschenbildes zu einem Objekt psychiatrischer "Therapie" degradiert. Dies wird zur Grundlage von stigmatisierender gesellschaftlicher Ausgrenzung und mediengerechter Verteufelung. Die Umsetzung dieser Ideologie wurde in ihrer ganzen Unmenschlichkeit von der deutschen Psychiatrie betrieben.

  • Nicht nur während der Nazizeit hat die deutsche Psychiatrie in Psychiatrischen Anstalten und Heimen aufgrund ihrer Ideologie systematischen Massenmord an "mindestens 275.000" eingesperrten Menschen begangen (so der Militärgerichtshof in Nürnberg), sie hat das Hunger-Morden noch 3 Jahre nach dem 2. Weltkrieg fortgesetzt.

  • Das internationale psychiatrische System ignoriert diese Tatschen weiterhin und verdeckt damit die Wahrheit, daß das Morden der Nazis in den Vernichtungslagern auf einer psychiatrischen Ideologie basierte. Die Verbrechen, die auf dieser Ideologie beruhen, wurden zuerst von den deutschen Psychiatern als "Euthanasie"-Morde begangen, die zum Modell des Massenmords an Juden, Sinti und Roma, Schwulen und anderen "unerwünschten gesellschaftlichen Elementen" wurden.

  • Ernst Klee hat es treffend auf den Punkt gebracht: "Nicht die Nazis haben die Ärzte gebraucht, sondern die Ärzte die Nazis".

  • Die deutsche Nachkriegspsychiatrie war in der WPA diskreditiert, sie war kein "normales" Mitglied in ihren Reihen. Indem die WPA die oben beschriebenen Fakten bis heute ignorierte, macht sie sich nun eines geschichts-revisionistischen Schrittes schuldig, indem sie sich öffentlich hinter die deutsche Psychiatrie stellt. Sie versucht damit, die deutsche Psychiatrie von dem systematischen Massenmord an angeblich Geisteskranken reinzuwaschen.
  • Diese Tatsachen sind niemals wirklich zur Kenntnis genommen worden und haben seitens der internationalen Psychiatrie zu keiner Entschuldigung geführt. Niemals hat es auch nur eine Geste gegeben wie den Kniefall von Willy Brandt vor dem Denkmal des Warschauer Getto-Aufstands.

  • Wir fordern von der WPA, ihren 11. Weltkongreß nach außerhalb Deutschlands zu verlegen sowie die oben benannte Problematik öffentlich zur Diskussion zu stellen.


Verabschiedet von der Mitgliederversammlung des BPE und dem Board der I.A.A.P.A.



Psychiatrie und Nationalsozialismus

Perspektiven Betroffener und von Experten

Programm der BPE/IAAPA Veranstaltung an der Hamburger Universität


Donnerstag 5.8.
17.00 Pressekonferenz zu dieser Veranstaltung in deutsch,

Vergabe von Interviewterminen


Freitag 6.8.
10.00 Film: Sichten und Vernichten von Ernst Klee (in deutsch)

´95 gedrehter Fernsehfilm von Ernst Klee über Psychiatrie in der Nazizeit, mit vielen erstmals öffentlich gezeigten Orginalbildern, Namen der Mörder und wie sie nach ´45 weitergemacht haben.
Anschließend Diskussion zwischen Wissenschaftlern, Praktikern und Betroffenen

11.00 Vortrag Dorothea S. Buck-Zerchin

(1936 in Bethel zwangssterilisiert)
Damals Ausrottung - heute Ausschluß der Betroffenen aus dem Kongreß durch das "Medizinische Krankheitsmodell"
(mit anschließender Diskussion)

12.15 Film: Healing by Killing von Nizam Aviram, Israel

(Interviews Orginalsprache, englisch untertitelt)
Fernsehfilm aus Israel von ´96, meisterlich wie Lanzmanns „Shoah" wird mit aktuellen Bildern der Weg von den Gaskammern der „Euthanasie" nach Ausschwitz als medizinisches Verbrechen nachgezeichnet, und beispielhaft an der Biographie zweier Ärzte dokumentiert. Anschließend Diskussion zwischen Wissenschaftlern, Praktikern und Betroffenen

14.00 Internationale Pressekonferenz zu dieser Veranstaltung

(in englisch) Interviewtermine

15.00 Internationale Pressekonferenz zur Ankündigung eines Russell

Tribunals on Human Rights in Psychiatry (in englisch)

16.00 Weltpremiere des Films (d/e, englisch untertitelt) :

The Verdict of the Foucault Tribunal
Film Dokumentation des Tribunal zur Lage der Psychiatrie, das letztes Jahr in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Berlin stattfand. Anschließend Diskussion zwischen Wissenschaftlern, Praktikern und Betroffenen

18.00 Vortrag Ernst Klee:

Die Hungermorde in den Anstalten 1945-47
und die Verbrechen der Psychiatrie davor


Samstag 7.8.
10.00 Film: Sichten und Vernichten von Ernst Klee, Diskussion
11.00 Film: Healing by Killing von Nizam Aviram (Israel)

Anschließend Diskussion

12.45 Film: The Verdict of the Foucault Tribunal, Diskussion
14.30 Film: Healing by Killing von Nizam Aviram (Israel), Diskussion
16.15 Film: The Verdict of the Foucault Tribunal, Diskussion
18.00 Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Bund der

„Euthanasie"-Geschädigten und Zwangssterilisierten
Betroffene Zeitzeugen berichten: Frau Elvira Manthey, die direkt vor der Gaskammer noch umdrehen durfte (ihre Schwester aber nicht) und Otto Klein, einer der letzten Überlebenden der teuflischen Zwillingsversuche Dr. Mengeles:
Medizinische Verbrechen in Deutschland -
Zwangssterilisation, Gaskammermorde, Menschenversuche

Anschließend: Vorstellung der geplanten Gedenkstätte in der Tiergartenstr. 4. "Haus des Eigensinns"

19.30 Frau Prof. Gerburg Treusch-Dieter

Das Dispositiv Deutsche Psychiatrie

Sonntag 8.8.
10.00 Film: The Verdict of the Foucault Tribunal, Diskussion
11.45 Film: Healing by Killing von Nizam Aviram (Israel), Diskussion
13.30 Film: Sichten und Vernichten von Ernst Klee, Diskussion
14.30 Film: The Verdict of the Foucault Tribunal, Diskussion
16.15 Film: Healing by Killing von Nizam Aviram (Israel), Diskussion
18.00 Vortrag René Talbot:

Hans Prinzhorn - ein Nazi-Ideologe pathologisiert die Kunst


 






























































Der Bund de "Euthanasie"-Geschädigten und Zwangssterilisierten zeigt die

Ausstellung

"Euthanasie" und Zwangssterilisierung im Nationalsozialismus

18 Schautafeln mit Abbildungen, Fotos und Dokumenten


In the foyer:

Exhibition

"Euthanasia" and forced sterilization during the National Socialism

18 Display boards with illustrations, photos and documents


Presseerklärung des BPE zur Pressekonferenz
am 5.8. um 17.00 h
Gegenveranstaltung zum 11. WPA-Kongress in Hamburg:
Psychiatrie und Nationalsozialismus


"Wer die Täter ehrt, mordet die Opfer ein zweites mal.
"


Wir, der Bundesverband Psychiatrie Erfahrener (BPE) fordern zusammen mit unserer Israelischen Partnerorganisation Israeli Association against Psychiatric Assault den 11. WPA Kongreß abzusagen. Die Begründung entnehmen Sie bitte unserem Faltblatt.
Inzwischen ist offensichtlich, daß sich die WPA mit der gleichen Arroganz über diese Forderung hinwegsetzt, wie Psychiater mit Zwang und Gewalt Menschen einsperren und sogar mit Zwang behandeln.

Der 11. Kongreß der WPA ist ein Skandal!
Die Deutsche Psychiatrie hat mit allermindestens 20.000 Morden durch Verhungernlassen n a c h dem Ende der Naziherrschaft den Beweis angetreten, daß nicht die Nazis die Ärzte mißbraucht haben, sondern die Ärzte die Nazis brauchten. Und das Morden konnte auch ohne Naziherschaft weiter betrieben werden:
Das ist eine weltweit beispiellose und einmalige Tat!
Prof. Gaebel hat in seiner Erklärung, die in der Frankfurter Rundschau abgedruckt ist, unsere These bestätigt: "Es geht der WPA um ein deutliches Signal, daß Deutschland trotz des systematischen Mißbrauchs der Psychiatrie in der Zeit des Nationalsozialismus als Standort eines Weltkongresses wieder international akzeptiert wird."

Punkt eins der Agenda dieses Kongresses ist: Das Massenmorden war nur ein kleiner Betriebsunfall, der jetzt zu den Akten gelegt werden kann! Entsprechend sind auch die Bemühungen mit einer Austellung, die die Psychiatrie selbst inszeniert hat, sich ein Alibi zu verschaffen, so daß mit dieser Form des Erinnerns das Vergessen organisiert werden kann. Die Berufsgruppe der Täter will sich selber einen Freibrief für die ausreichende "Aufarbeitung" ihrer Verbrechen ausstellen. Dies können wir nur zynisch nennen und gegen diesen Vertuschungsversuch wendet sich unsere Gegenveranstaltung. Ausschließlich durch eine Beendigung statt einer Eröffnung dieses WPA Kongresses könnte tatsächlich ein Zeichen der Scham und der Besinnung gesetzt werden.

Gegen die geplante schamlose Eröffnungsveranstaltung, zu der offensichtlich auch Bundespräsident Rau sein Kommen abgesagt hat (wie den letzten Veröffentlichungen der WPA zu entnehmen ist) haben wir zeitgleich einen Vortrag von Ernst Klee gestellt, der unsere Begründung für die Forderung nach Stop des WPA Kongresses bestätigt.
Eine Kopie des Redemanuskripts von Ernst Klee können wir Ihnen morgen zur internationalen Pressekonferenz aushändigen. Er belegt, wie die deutsche Psychiatrie zur Ausrottung ihrer Patienten gekommen ist und wie die Täter danach noch weiter geehrt wurden. Er endet mit dem deutlichen Satz:
"Wer die Täter ehrt, mordet die Opfer ein zweites mal."
In diesen Satz müssen wir nun die WPA mit einbeziehen.

Der Zweite Punkt auf der Agenda dieses WPA Kongresses ist dagegen schon Routine:
Der Kongress ist im wesentlichen eine Pharma-Werbe-Show. Nun sollen Sie als Journalisten billige Werbung im besonders werbewirksamen redaktionellen Teil schaffen. Deshalb sind auch 9 Pressekonferenzen der Pharmakonzerne angekündigt, wohingegen die WPA meint, selber nur 6 Pressekonferenzen bestreiten zu müssen. Das Gewicht, das sie damit den Pharmakonzernen einräumt, spricht für sich - natürlich fehlt, daß die Pharmadrogen von Psychiatern mit Gewalt den Opfern einer Zwangsbehandlung verabreicht werden. Von so einem wirtschaftlichen Vorteil träumt allerdings jeder Drogenhändler.

Wir möchten auch den geradzu aberwitzigen Versuch der WPA kommentieren, daß sie sich mit einer "Kampagne gegen Diskriminierung" wenden will, wie in ihren Presseveröffentlichung behauptet. Dieser Versuch ist eine Verhöhnung der Opfer genau der Diskriminierung, die Psychiater durch ihr Handeln schaffen. Das wäre vergleichbar mit dem Versuch des Ku Klux Klan, von sich zu behaupten, der Diskriminierung von Afro-Amerikanern mit einer Kampagne begegnen zu wollen.

Abschließend möchten wir auf die Ausstellung des Bundes der "Euthanasie"-Geschädigten und Zwangsterilisierten im Foyer hinweisen. Sie gibt authentische Informationen des Verbands der Opfer der Ausrottungspolitik deutscher Psychiater.

Wir hoffen, daß diese Themen durch diese Gegenveranstaltung und Ihre Berichte endlich enttabuisiert und öffentlich zur Kenntnis genommen werden.


Presseerklärung

Hamburg, 8.8.1999

Die falsche Rhetorik der WPA -
die lächerliche Seite des WPA Kongresses

Am 27.7.99 lud die WPA offiziell Herrn Hagai Aviel, den Vorsitzenden der „Israeli Association Against Psychiatric Assault" ein, an ihrem geplanten Symposium „Die Rolle der Psychiatrie in Menschenrechtsfragen" teilzunehmen.

Als Herr Aviel nachfragte, wie er Einlaß in das Symposium erhält, wurde er von der WPA auf die Empfangs-Registrierung verwiesen. Dort wurde ihm dann gesagt, daß er, um an den Symposium teilnehmen zu können - mit oder ohne Einladung - die Teilnahmegebühr zu bezahlen hat, da die Organisatoren des Symposiums anscheinend vergessen hatten, sich um so ein kleines Detail zu kümmern.

Herr Aviel dachte nicht daran, für deren Einladung etwas zu bezahlen und wurde später prompt am Eingang zurückgewiesen als er an dem Symposium teilnehmen wollte.

Soweit wir wissen, war weder ein Mitglied des „European Network of (Ex)users and Survivors", noch des BPE oder der SCI, noch irgendeine Menschenrechtsorganisation von Psychiatrie-Überlebenden eingeladen teilzunehmen.

Das läßt uns erstaunt fragen: Wer - außer den Psychiatern - hat an dem Symposium „Die Rolle der Psychiatrie in Menschenrechtsfragen" teilgenommen?

Fotos und Berichte: Freedom from Fear

HOME
Impressum